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Ein neues Fundament für das eBusiness (II): Bestandsaufnahme

Blasen
Verfasst von franz-mue am 19. Februar 2018

Wie im einführenden Beitrag angekündigt, beginne ich mit einer Art Bestandsaufnahme des eBusiness. Das Thema spannt einen weiten Bogen und deckt verschiedene Abstraktionsebenen ab. Deshalb kann ich hier nur beispielhaft Gegebenheiten und Auffälligkeiten ansprechen.

Überblick

Da es mir um relativ allgemeine Aussagen geht, mag die Argumentation stellenweise pauschalierend bis trivial wirken. Weniger vage und handfester wird es jedoch bei den Folgebeiträgen. Meine Betrachtung ist technologisch getrieben, auch wenn letztendlich die Wirkung in der Anwendungs-Domäne zählt. Das hat seinen Grund: Mit technologischen Eingriffen lässt sich nach meiner Auffassung hier der größte positive Effekt in der Breite erzielen.

Um einen roten Faden in meine Argumentation zu bringen, orientiere ich mich grob am Lebenszyklus eines Produkts, beginnend mit der Herstellung, und endend mit Verbrauch. Mein Fokus liegt mehr auf der Interaktion zwischen Unternehmen (und gegebenenfalls Verbrauchern), als innerhalb von Unternehmen.

Alles schon mal dagewesen

Zur Weitung des Blicks ziehe ich an einigen Stellen Vergleiche an. Die Vergleiche entnehme ich ebenso dem Alltagsleben als auch der Biologie oder Geschichte. Die Menschheit hat eine lange, reichhaltige Geschichte hinter sich. Warum also nicht zuweilen kurz innehalten, und überlegen, ob wir aus früheren Erfahrungen ein besseres Verständnis für die Gegenwart erreichen können?

Gliederung

Mein Beitrag ist relativ umfangreich. Deshalb liste ich vorweg die Gliederung auf:

  • Produktinformationen im Unternehmen
    • Weiß die linke Hand von der rechten Hand?
    • Auf den Zug aufspringen und dabei sein
    • Sich im Sog des zunehmenden technologischen Strudels behaupten
    • Prägende Separation
    • Straffe Datenkorsette für Produkte
  • Der Informations- und Datenaustausch zwischen Unternehmen
    • Babylonische Datenaustausch-Verwirrung
    • Das Beispiel EDIFACT
    • Das Beispiel BMEcat
    • Das Beispiel eRechnung und ZUGFeRD
    • Den Flickenteppich vereinheitlichen
    • Herrschaftswissen bremst die Verbreitung und Vereinheitlichung
    • Daten über mehrere Stationen weiterreichen
  • Produkte im World Wide Web präsentieren und verkaufen
    • Online Shops
    • Vergleichs-Portale und Marktplätze
    • Ausbildung marktbeherrschender Strukturen
    • Der Verlust an Individualität
  • Allgemeine Suchmaschinen
    • Inhalte von Web-Seiten automatisch erkennen
    • Optimierungsbestrebungen
  • Verbraucher
  • Neuere Entwicklungen
  • Fazit und Ausblick

Produktinformationen im Unternehmen

Produkte sind sehr unterschiedlich geartet; die Spanne umfasst sowohl sehr einfache, nicht unterscheidbare Produkte wie auch komplex strukturierte, zusammengesetzte beziehungsweise individuell gefertigte Produkte. Dementsprechend große Unterschiede gibt es bei Beschaffung, Herstellung, Absatz, Logistik und so weiter zu berücksichtigen. Die erforderlichen Material- und Datenflüsse sind zu planen, kontrollieren, analysieren und optimieren. Nicht zu vergessen sind Buchhaltung und Befriedigung der Steuerbehörden. Die Anforderungen differieren je nach Branche, Markt und Rahmenbedingungen gewaltig. Daher ist auch nicht zu erwarten, mit wenigen Werkzeugen und Standards allen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Weiß die linke von der rechten Hand?

Wenn sich unterschiedliche Unternehmensteile mit den verschiedenen Aspekten von Produkten beschäftigen, gilt es, nicht den Überblick zu verlieren. Unterschiedliche Stände sind zu vermeiden. Trotzdem scheint es auch in der heutigen Zeit noch ein Problem zu sein, Dubletten zu erkennen, mit uneinheitlichen, fehlenden oder veralteten Daten zurechtzukommen, die beteiligten Abteilungen rechtzeitig über Änderungen zu informieren, unterschiedlichen Unternehmensteilen überhaupt den zeitnahen und effizienten Zugriff auf übergreifende Zusammenhänge zu ermöglichen, und so weiter.

Auf den Zug aufspringen und dabei sein

Die Einführung eines Warenwirtschaftssystems, eines ERP-Systems, von Business Intelligence Software, oder von Rechnungswesen-Software schafft eine einheitlichere Umgebung für eine Reihe von Aufgabenstellungen. Auch Lösungen wie etwa OpenBIM in der Baubranche bringen verteilte Informationen besser unter einen Hut, und erleichtern das Arbeiten innerhalb des Systems. Derartige Lösungen kommen jedoch mit einem Preis.

Um an einen anderen Ort zu reisen, ist der Fußmarsch das einfachste Mittel, die Entfernung manchmal jedoch zu groß. Die Reise mit dem Zug oder Bus erlaubt die Überwindung größerer Entfernungen. Dafür nimmt der Reisende verschiedene Einschränkungen in Kauf. Er hat sich an den Fahrplänen zu orientieren, muss Umwege in Kauf nehmen, zahlt einen Reisepreis, muss mit Verspätungen rechnen und Zeitpuffer einkalkulieren. Viele Ziele lassen sich mit einem eigenen PKW flexibler erreichen. Das Ausrichten der Reise an den individuellen Bedürfnissen wird jedoch häufig höhere Kosten verursachen.

Ähnlich ist es mit komplexer Unternehmens-Software. Der Einsatz im Unternehmen lässt an den Erfahrungen anderer Unternehmen partizipieren. Allerdings passt nicht alles wie gewünscht. Sollen unternehmensspezifische Besonderheiten und Stärken nicht unter den Tisch fallen, sind oft aufwendige und teure Anpassungen nötig.

Sich im Sog des zunehmenden technologischen Strudels behaupten

In den vergangenen 30 Jahren erlangte Unternehmens-Software eine immer größere Bedeutung. Zur Abdeckung der unterschiedlichsten Bedarfe haben sich viele Anbieter für die unterschiedlichen Unternehmensgrößen und Branchen Software-Lösungen überlegt. Ein paar Akteure - wie etwa SAP - dominieren den Markt. Trotzdem ist auf dem Markt - oder besser gesagt, den Märkten - genügend Spielraum für andere Marktteilnehmer, unterschiedlichste andere Bedarfe abzudecken.

Insgesamt ist ein kaum überschaubarer Flickenteppich entstanden. Solange ein Unternehmen die Aufgabenstellungen innerhalb der eigenen Software-Insel erledigen kann, sollten auftretende Probleme beherrschbar sein. Wenn es jedoch um die Kollaboration zwischen den Software-Inseln geht, können Zusatzaufwände entstehen.

Wer einmal auf bestimmte Unternehmens-Software setzt, kann nicht so einfach wieder das Pferd wechseln. Der Aufwand ist sehr hoch. Das Unternehmen geht Abhängigkeiten ein, die nicht zu unterschätzen sind. Das System am Laufen und aktuell zu halten, bedeutet Aufwand. Selbst wenn es dem Software-Hersteller gelingt, ohne größere Verzögerungen mit technologischen Weiterentwicklungen Schritt zu halten, ist ein Unternehmen bis zu einem gewissen Grad immer von der Weiterentwicklungsstrategie und der Lizenzpolitik des Software-Herstellers abhängig.

Mehr noch: Wenn ein Software-Hersteller seinen Marktanteil zu sehr ausbaut, könnten sich monopolähnliche Strukturen mit allen damit verbundenen Nachteilen herausbilden. Ein zu großer Erfolg eines einzigen oder einiger weniger Software-Hersteller ist also auch nicht wünschenswert. Andererseits dürfte es nach meiner Einschätzung kleinen oder kleinsten Unternehmen im allgemeinen schwerer fallen, die finanziellen Belastungen derartiger Software nebst den damit verbundenen Dienstleistungen zu tragen. Wenn meine Vermutung zutrifft, ist es daher für kleinere Unternehmen in der Tendenz schwieriger, in digitalen Märkten mitzumischen, als es bei großen Unternehmen der Fall ist. Der Einsatz von Open Source Software kann eine Alternative sein, ohne Aufwände und Risiken geht es auch dabei nicht ab.

Mit der Wahl eines Software-Hilfsmitteln ist meist das Setzen auf bestimmte Programmierumgebungen und Betriebssysteme verbunden. Wer sich innerhalb bewegt, kommt mehr oder minder gut zurecht, wenngleich Updates und Weiterentwicklungen eine gewisse Aufmerksamkeit erfordern. Nach außen hin werden häufig Mauern aufgebaut. Wer etwa auf .NET setzt, muss mit MS Windows vorlieb nehmen (und hoffen, dass das US-amerikanische Hersteller-Unternehmen oder ein etwaiger dahinter agierender Geheimdienst die Abhängigkeit nicht ausnutzt).

Andererseits wären mit Anpassungen bei einer Anwendung auch benachbarte Anwendungen auf demselben System betroffen, die jedoch noch auf den alten Bibliotheken, Programmiersprachen oder Betriebssystemen laufen. Um alle Anwendungen und Geschäftsprozesse unter einen Hut zu bringen, können unversehens erhebliche Klimmzüge erforderlich werden, die in engem Zeitrahmen zu klären und umzusetzen sind, ohne gleichzeitig laufende produktive Anwendungen zu gefährden.

Prägende Separation

Auch das Denken und Herangehensweisen an Projekte werden durch die Wahl von Programmiersprachen und Software-Werkzeugen mitbestimmt. Programmiersprachen wie Python und PHP werden anderen Entwickler- und Anwenderkreisen gerecht als etwa Java oder C#. Sicher lässt sich mit dem Gang in die Cloud der ein oder andere Haken vermeiden, doch sind mit der Verlagerung ins Netz andere Herausforderungen zu meistern.

Wie prägend eine Umgebung wirken kann, zeigt ein bekanntes Beispiel aus der Evolutionsbiologie. Auf den Galapagos-Inseln entstanden unterschiedliche Unterarten der Darwinfinken durch Isolation der Inseln voneinander. Selbst als später manche Finken wieder die Inseln wechselten, entwickelten sie sich getrennt weiter, da sie sich genetisch und reproduktiv bereits zu sehr auseinander entwickelt hatten.

Andererseits zeigt das Beispiel der Kulturgeschichte der Kartoffel, wie befruchtend ein Austausch voneinander lange Zeit getrennter Kontinente wirken kann. Als etwa im 17. und 18. Jahrhundert die Kartoffel von Südamerika nach Europa gelangte und sich dort allmählich ausbreitete, eröffnete sich dem einfachen Volk eine neue, ergiebige Nahrungsquelle. Hungersnöte hatten von da an weniger gravierende Auswirkungen auf die Bevölkerung.

Der Druck in Richtung Digitalisierung führt für Hersteller und Händler in der Regel zu zunehmenden technologischen Aufwänden; das bisher gewohnte Denken und Agieren in den jeweiligen Geschäftsfeldern reicht immer weniger aus. Kleinen und kleinsten Marktakteuren dürfte es besonders in Massenmärkten immer schwerer fallen, mitzuhalten, wenn das technologische Fundament fehlt.

Straffe Datenkorsette für Produkte

Vor über 30 Jahren startete der Siegeszug der Tabellenkalkulations-Software. MS Excel erlangte schnell große Beliebtheit und Verbreitung, denn es ist für vielerlei Zwecke im beruflichen sowie im privaten Umfeld zu gebrauchen und einfach zu nutzen. Als eine Art Schweitzer Messer wurde und wird es in vielen Unternehmensbereichen als unverzichtbares Hilfsmittel eingesetzt.

Auch die althergebrachten relationalen Datenbanksysteme nehmen immer noch und weiterhin einen breiten Raum bei diversen Datenverarbeitungsaufgaben ein.

Große Mengen gleichartiger, tabellarischer Daten sind effizient zu halten und weiterzuverarbeiten. Allerdings bergen diese beiden so bewährten und auf breite Akzeptanz stoßende Technologien auch Nachteile. Nicht für jeden Zweck sind sie gut geeignet, auch wenn es auf den ersten Blick so erscheint und es sich in der betrieblichen Übung eingeschliffen hat.

Wenn es um die Repräsentation von Eigenschaften unterschiedlicher Produkte geht, können leicht Eigenschaften unter den Tisch fallen, die sich in der Folge noch als nützlich erweisen könnten. Vorgegebene Tabellenspalten mit festgelegten Datentypen und zulässigen Wertebereichen zwängen Produktbeschreibungen in ein festes Datenkorsett ein. Ein abnehmender Informationsgehalt der Produktrepräsentationen kann durch Weiterreichen in nachgelagerte Datenhaltungen noch verstärkt werden.

Wenn ich über dieses Thema nachdenke, kommen mir unwillkürlich Massentierhaltungen mit eingepferchten Tieren in den Sinn. In den Medien werden immer wieder Beispiele gezeigt, in denen das Tierwohl unter dem Primat der kurzfristigen Gewinnmaximierung auf der Strecke bleibt - ganz zu schweigen von den mittelbaren Auswirkungen auf das Wohl der menschlichen Konsumenten.

Der Informations- und Datenaustausch zwischen Unternehmen

Während es schon innerhalb eines Unternehmens eine Herausforderung sein kann, den jederzeitigen Überblick über alle Facetten eines Produktes und aller damit zusammenhängenden Artefakte zu behalten, erhöht sich der Schwierigkeitsgrad beim Austausch zwischen Unternehmen weiter. Vor dem Hintergrund der weiterhin stark wachsenden Datenmengen wird es immer wichtiger, Daten effizient, aber auch sicher auszutauschen.

Alleine mit elektronischer Datenverarbeitung und vernetzten Rechnern ist noch lange nicht sichergestellt, dass sich die Austauschpartner auch verstehen. Das gilt besonders, wenn es um den länder-, sprach- und kulturübergreifenden Datenaustausch geht. Zwischen den Kommunikationspartnern sind allseits akzeptierte Absprachen zu treffen. Besser noch ist es, wenn auf internationale Normen, Standards oder wenigstens Konventionen zurückgegriffen werden kann.

Die Wahl von Zeichensätzen oder Maßeinheiten sollte inzwischen kein großes Thema mehr sein. Jedoch gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze auf den höheren Abstraktionsebenen (siehe zum Beispiel hier). Neben Prozessstandards und Transaktionsstandards gibt es auch Standards für die Produktklassifikation, den Produktkatalogaustausch sowie die Identifikation von Produkten oder Unternehmen.

Babylonische Datenaustausch-Verwirrung

Diese mehr oder minder offiziellen Standards besitzen zum Teil branchenübergreifende Relevanz, zum Teil nicht. Einige sind für größere Unternehmen geeignet, andere nicht. Manche Standards besitzen nur eine eng umgrenzte regionale Verbreitung und Akzeptanz bei den Unternehmen. Während manche Standards auf neuere Datenformate aufsetzen, wirken andere (wie etwa EDIFACT) schon eher aus der Zeit gefallen, obwohl sie immer noch und auf absehbare Zeit weiterhin schwer vom Markt wegzudenken sind.

Das Beispiel EDIFACT

Gerade EDIFACT zeigt auf, wie komplex die Aufgabenstellung werden kann. Zweimal jährlich werden von einer Einrichtung der Vereinten Nationen (UN) neue Ausgabestände der Spezifikation veröffentlicht. Die Nachrichten sind zwar grundsätzlich in einem Text-Editor lesbar, muten jedoch für einen Laien ziemlich kryptisch an. Selbst große Unternehmen beschränken sich auf "Subsets" des Standards, um die Komplexität im Griff halten zu können.

Weil EDIFACT für viele Unternehmen und Branchen ein oder zwei Nummern zu groß ist, wurden Versuche unternommen, den Datenaustausch mit überschaubareren Geschäftsformaten in den Griff zu bekommen.

Das Beispiel BMEcat

Ein Beispiel für ein einfacher handhabbares Datenaustauschformat ist BMEcat, ein Geschäftsformat zum Austausch von Produktkataloginformationen in der Industrie. Das Geschäftsformat wird vorwiegend im deutschsprachigen Raum eingesetzt.

Bei näherem Hinsehen stellt sich heraus, dass mit der intendierten Vereinfachung bei weitem noch nicht alle Probleme gelöst sind. Das Datenaustauschformat enthält - wie ich in an anderer Stelle dargelegt habe - viele Unschärfen und Widersprüche. So sind in der Praxis zusätzliche bilaterale Absprachen und gegebenenfalls bewusste Abweichungen vom Standard erforderlich, um die gewünschten Daten austauschen zu können.

Zum Beispiel verlangt die aktuelle Version BMEcat-2005 noch alte Ausgabestände für Währungs-Codes aus den 90er Jahren. Insbesondere nach der EURO-Einführung in vielen europäischen Ländern sowie auch den vorausgegangenen militärischen Konflikten in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien gab es Änderungen bei den Währungen. Die Standardisierungsgremien haben in neueren Ausgabeständen die Währungs-Codes aktualisiert. BMEcat-2005 jedoch hat in all den Jahren nicht nachgezogen.

Dem Standard ist eine XML-Schema-Definition beigefügt. Naheliegenderweise sollte zu erwarten sein, dass mit der XSD-Datei mit geringem Aufwand Teilvalidierungen und Konvertierungen durchzuführen sind. Leider ist die XSD-Datei nicht zu 100% standardkonform und fehlerfrei - also nur eingeschränkt verwendbar. Im Endeffekt führt diese Diskrepanz bei Anwendern des Standards und Herstellern von Software-Werkzeugen zu unnötiger Unsicherheit. Oder aber, durch blinde Verwendung der XSD-Datei werden Abwandlungen des Standards erzeugt, was den Standard und dessen Glaubwürdigkeit weiter schwächt.

Eine andere Quelle der Verwirrung stellt die von der BMEcat-2005-Spezifikation in Aussicht gestellte Kompatibilität mit der Vorgängerversion 1.2 dar. Tatsächlich gibt es im Detail ein paar Ausnahmen der Kompatibilität. Das Ergebnis ist, dass schon alleine aus diesem Grund häufig invalide BMEcat-Dokumente in den Umlauf gebracht werden.

Die Spezifikation des BMEcat-Formats erweckt den Anschein, dass sie stark Anwender-getrieben erstellt wurde. Sehr viel Anwenderwissen fließt in die Struktur eines BMEcat-Dokuments ein. Auch angrenzende Gebiete (wie Klassifikationssysteme) oder an sich gut separierbare Bereiche (wie Preise und Produktkonfiguration) wurden integriert, und damit ohne Not Abhängigkeiten geschaffen. So entstand letztendlich doch wieder ein umfangreicher und schwerfälliger Industriestandard, der alleine schon aus organisatorischen Gründen die rasche Inkorporation veränderter Anforderungen und Synchronisation mit den angrenzenden Gebieten erschwert.

Auch Klassifikationsstandards sind nicht in Stein gemeißelt; sie entwickeln sich beständig weiter. Dem sich auf wenige Branchen konzentrierende ETIM-Klassifikationsstandard reichten die von BMEcat-2005 bereitgestellten Datenfelder nicht aus, so dass als Bastellösung auf den optionalen und nicht weiter strukturierten Bereich für benutzerdefinierte Erweiterungen zurückgegriffen wird.

Der branchenübergreifende Standard eCl@ss sollte von Anfang an von BMEcat-2005 abgedeckt werden. eCl@ss allerdings gibt jedes Jahr einen neuen Stand heraus. Ab und an wird der Aufbau des Klassifikationssystems bei Versionshüben aktualisiert. Damit eCl@ss-Klassifikationssysteme in BMEcat-2005 übertragen werden können, wurde die neue BMEcat-Version 2005.1 ins Leben gerufen. Anscheinend wird diese neue Version von eCl@ss seit ein paar Jahren genutzt. Seitens BMEcat hingegen, gibt es auch mehrere Jahre nach der Verkündung der neuen BMEcat-Version keine offizielle Freigabe.

Einerseits wird der Industriestandard nach wie vor als anerkannter und verbreiteter Katalogdatenaustausch-Standard propagiert, andererseits werden weder Aktualisierungen durchgeführt, Fehler oder Widersprüche bereinigt, noch Weiterentwicklungen des Standards veröffentlicht. Indirekt wird dadurch auch der openTRANS-Transaktionsstandard geschwächt, der auf BMEcat aufsetzt.

Das Beispiel BMEcat zeigt deutlich, dass Industriestandards, die nicht laufend aktiv gepflegt und weiterentwickelt werden, nicht nur positive, sondern auch negative Auswirkungen für die beteiligten Akteure haben können.

Das Beispiel eRechnung und ZUGFeRD

Wenn Produkte (oder Dienstleistungen) per Kaufvertrag von einem Verkäufer zu einem Käufer übergehen, sind Rechnungen zu erstellen und vom Verkäufer an den Käufer zu übermitteln. Mit dem zunehmenden Wandern der entsprechenden Abläufe in die digitale Sphäre, wächst der Druck, Rechnungen sowohl in der Privatwirtschaft als auch bei den Behörden in elektronischer Form effizient auszutauschen.

Elektronische Rechnungen sind mittlerweile ein großes Thema und werden mit Nachdruck von unserer öffentlichen Verwaltung, und sogar von europäischen Gremien vorangetrieben. Trotz gutem Willen der Beteiligten gestaltet sich die Einführung geeigneter Rechnungsaustausch-Standards als schwierig, zäh und langwierig. Wenn die Beteiligten unterschiedliche Ziele verfolgen, entstehen Reibungsverluste oder unterschiedliche Vorgehensstränge, die erst wieder mühsam zusammenzufügen sind.

Der Beitrag Chaos bei den deutschen eRechnung-Standards? beschreibt sehr schön die schwer durchschaubare Lage. Für Anwender-Unternehmen, die elektronische Rechnungen einführen wollen oder sollen, ist die Entscheidung nicht leicht, denn es ist nicht klar, wohin die Reise tatsächlich gehen wird; sie werden sich daher mit Investitionen tunlichst zurückhalten.

Von hinten durch die Brust ins Auge

Bemerkenswert in der Ausgestaltung ist der relativ neue, vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützte eRechnung-Standard ZUGFeRD. Zur guten automatischen Verarbeitbarkeit der Rechnungsdaten wird das XML-Datenformat verwendet. Damit auch weniger technologisch versierte Unternehmen und Privatanwender den Standard nutzen können, dürfen die Daten zusätzlich als PDF-Datei aufbereitet werden. So weit so gut.

Aufwendiger wird es schon, weil nicht jedes x-beliebige PDF verwendet werden darf; es muss per Festlegung das langzeitarchivierbare PDF/A-3-Format sein. Das nun allerdings ist kaum mit kostenlosen SW-Werkzeugen zu generieren.

Nock kruder wird es, wenn beide Formate zusammen übermittelt werden. Die XML-Datei ist in die PDF/A-3-Datei einzubetten. Will ein Rechnungsempfänger die Rechnung elektronisch weiterverarbeiten, muss er die XML-Datei erst einmal wieder aus der PDF/A-3-Datei extrahieren. Das Prozedere mag gut gemeint sein. Die potentiellen Anwender dürfte es jedoch eher abschrecken. Das bisherige zögerliche Aufgreifen des neuen Standards durch die Anwender wundert mich nicht.

Den Flickenteppich vereinheitlichen

Die Problematik national und regional fragmentierter Beschaffungsmärkte wurde vor Jahren vom Europäischen Normungskomitee erkannt und aufgegriffen. Seither sind Harmonisierungsbestrebungen zur Interoperabilität einiger Standards im Gange (CEN BII). Es bleibt zu hoffen, dass die Aktivitäten letztendlich zur Verbesserung der Situation beitragen. Angesichts der Dauer und Komplexität der Vorhaben ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass die unübersichtliche Lage nur verschlimmbessert wird. Bezeichnenderweise scheint es bei den Bemühungen um Standards zu gehen, die vornehmlich Großunternehmen betreffen - obwohl die Fördermittel letztendlich von allen Steuerzahlern mitgetragen werden.

In der Geschichte finden sich Beispiele, in denen stabile Außengrenzen eines Reiches zum Prosperieren der Kultur und der Wirtschaft innerhalb des befriedeten Reiches führten. Es sei etwa die Friedenszeit im Römischen Reich genannt, die nach früheren militärischen Eroberungsfeldzügen innerhalb des Reiches Teilen der Bevölkerung zu einem höheren Wohlstand verhalf. Die hohe Akzeptanz einer gemeinsamen Währung trug dazu bei, die Freizügigkeit zum Handel zu nutzen. Doch natürlich profitierten von dem Aufschwung innerhalb des gemeinsamen Marktes nicht alle Bevölkerungsgruppen in gleichem Maße.

Herrschaftswissen bremst die Verbreitung und Vereinheitlichung

Die Lutherbibel im Verbund mit dem damals neu erfundenen Buchdruck führt sehr deutlich vor Augen, welche enorme Strahlkraft und ebenso prägende wie vielfältige Wirkungen neue Ansätze bei Nutzung einer neuen Technologie entfalten können. Vorher beanspruchte die Katholische Kirche die Deutungshoheit der Bibel für sich. Und nur wenige Zeitgenossen waren überhaupt in der Lage, die in lateinischer Sprache abgefasste Bibel zu lesen und zu verstehen. Da tat es der Bibelübersetzung auch keinen Abbruch, dass sie erst über den Umweg vom Althebräisch-aramäischen über das Altgriechische zum Lateinischen entstand, und dabei ursprünglicher Bedeutungsgehalt verfälscht wurde oder verloren ging.

Die Lutherbibel dagegen ließ den Umweg über das Lateinische und teilweise auch das Altgriechische weg, und blieb so näher an den Originaltexten. Darüber hinaus war sie in verständlicher deutscher Sprache abgefasst ("dem Volk aufs Maul schauend"). Wer des Lesens mächtig war, konnte sich selbst eine Meinung über das Evangelium bilden, und musste nicht mehr auf die Auslegung der Kirche vertrauen.

Von einer einheitlichen deutschen Sprache konnte damals noch keine Rede sein. In den Territorien des Deutschen Reiches herrschten viele Sprachvarianten und Dialekte vor. Doch die Verbreitung der Lutherbibel wirkte auf die Vereinheitlichung hin.

In diesem Sinne bin ich der Ansicht, dass Geschäftsdatenformate zum Austausch von Produkten erst massentauglich werden, wenn sie für einen breiten Anwenderkreis einfach verständlich sind. Erst wenn diese notwendige Voraussetzung gegeben ist, kann der Schritt zu einem einheitlichen Datenformat gelingen.

Ich meine, EDI ist dafür nicht geeignet, da zu kryptisch. Aber auch das Semantische Web in den XML-artigen Ausgestaltungen kommt nicht in Frage; ich wüsste nicht, wie einem einfachen Unternehmensmitarbeiter ohne tiefere Informatikausbildung klar zu machen wäre, dass die Datenformate Graphen oder Modelle beinhalten. XML selbst halte ich für diesen Zweck für zu unübersichtlich und schwer lesbar - auch wenn ich das Datenformat nicht ganz so negativ sehe, wie ein prominenter Vertreter der Branche.

Sicherlich lässt sich eine gewisse Komplexität beim Geschäftsdatenaustausch nicht vermeiden. Andererseits stellt sich für mich die Frage, ob nicht wenigstens Teile der ausgetauschten Geschäftsdaten einfach verständlich sein können.

Es geht jedoch nicht nur um den Aufbau der ausgetauschten Daten, sondern auch um einfache Möglichkeiten des Austausches. Warum soll es erforderlich sein, unterschiedliche Arten von Schnittstellen einzusetzen, und gegebenenfalls sogar Programme zur Nutzung von Schnittstellen zu schreiben, deren geschäftlicher Hintergrund doch meist recht ähnlich ist?

Daten über mehrere Stationen weiterreichen

Während es schon nicht einfach ist, Produktinformationen von einem Unternehmen zu einem anderen Unternehmen weiterzugeben, nehmen die Verluste in der Regel mit jeder weiteren Übergabe an ein nächstes Unternehmen zu. Diesen Schluss legt jedenfalls eine Untersuchung einer Arbeitsgruppe der Bundeswehruniversität München um Prof. Hepp aus dem Jahr 2013 nahe (ein Foliensatz behandelt dasselbe Thema). Am Ende der Kette bleibt oft nur ein Bruchteil der ursprünglich angegebenen Produkteigenschaften übrig.

Die Problematik möchte ich mit mehreren Wohnungsumzügen vergleichen. Bei jedem Umzug in eine neue Wohnung werden meist nicht alle Möbel und sonstigen Gegenstände übernommen. Manche Gegenstände sind abgenutzt, gefallen nicht mehr, sind nicht transportabel oder passen einfach nicht mehr in die neue Wohnung. Ein Teil der ursprünglichen Einrichtung kommt letztendlich abhanden. Mit zusätzlichem Aufwand an Zeit und Geld sind Teile der Einrichtung zu ersetzen. Beim nächsten Umzug wiederholt sich das Spiel wieder. Letztendlich verbleibt ein immer kleinerer Anteil der ursprünglichen Einrichtung.

Produkte im World Wide Web präsentieren und verkaufen

Das Vertreiben von Produkten (und Dienstleistungen) im Internet kann sowohl über selbst betriebene Lösungen erfolgen, als auch über externe Anbieter laufen - wobei sich die Alternativen nicht ausschließen.

Online Shops

Der Betrieb von zum Beispiel Online Shops in Eigen-Regie erfordert laufend große Aufmerksamkeit. Dabei geht es nicht nur um den Verkauf an Kunden, sondern insbesondere im Web-Umfeld auch um Wahrung von Sicherheitsbedürfnissen oder dem Schritthalten mit dem rasanten technologischen Wandel. Nicht zu vergessen sind gelegentliche Datenmigrationen oder Schnittstellenanpassungen.

Wer die Software selbst verwaltet, besitzt größere Möglichkeiten, sie den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Trotzdem werden häufig Anpassungen erforderlich sein, um die gewünschten Eigenschaften von Produkten in der Datenhaltung des Online Shops abzulegen, oder die Produkteigenschaften auf Web-Seiten zu präsentieren.

Vergleichs-Portale und Online-Marktplätze

Erlangung und Erhalt einer hinreichenden Sichtbarkeit eines eigenen Online Shops wird für kleinere, weniger etablierte Marktteilnehmer bei den weiter zunehmenden Informationsmengen im World Wide Web immer schwieriger und aufwendiger. Kurzfristig orientierte Unternehmen wählen daher häufig den einfacheren Weg, und platzieren ihre Daten auf Marktplätzen oder Produktvergleichs-Portalen.

Ausbildung marktbeherrschender Strukturen

Diese Kurzfrist-Web-Strategie vieler Unternehmen, gepaart mit kompromissloser Ausrichtung des dominierenden B2C-Marktplatzes auf Kundenattraktivität führten auf dem deutschen Markt zu einem Quasi-Monopolisten, dessen anwachsender Sogwirkung sich immer weniger Produktanbieter entziehen können - auch wenn die Gefahren für die B2C-Anbieter immer deutlicher zutage treten.

Angesichts der Dominanz dieses Quasi-Monopolisten sind alternative Ansätze zur Begrenzung der Marktmacht eines einzelnen, wie etwa bei Shopware Connect, im Prinzip begrüßenswert. Doch stellt ein geschlossenes System eines anderen kommerziellen Herstellers noch keine grundsätzliche Lösung für die Marktteilnehmer dar.

Der Verlust an Individualität

Ein wesentlicher Nachteil von Marktplätzen mit vielen Teilnehmern ist, dass der Marktplatzbetreiber die Spielregeln vorgibt. Das gilt in der Regel auch für die Datenformate die verlangten Produktattribute. Individuellen Bedürfnissen einzelner Produktanbieter kann daher kaum entsprochen werden. Produkte werden auf den Marktplätzen sozusagen in rigide Schubladen eingezwängt.

Individualität wird so abgewürgt. Alleinstellungsmerkmale sind schwerer herauszuheben. Die Produkte sind daher vornehmlich über ihren Preis unterscheidbar, was den Wettbewerb zwischen den Anbietern auf dem Marktplatz in vielen Fällen erhöht, deren Gewinnspanne tendenziell senkt, und so letztendlich kurzfristig den Verbrauchern und langfristig dem Marktplatzbetreiber in die Hände spielt.

Allgemeine Suchmaschinen

Bei den allgemeinen Web-Suchmaschinen jenseits der sozialen Netzwerke gibt es zwar eine Reihe von Alternativen, doch dominiert in Deutschland weiterhin ein US-amerikanischer Anbieter. Um bei der Web-Suche gefunden zu werden, setzen viele Unternehmen hohe Online Marketing Budgets bei diesem Suchmaschinen-Betreiber ein.

Inhalte von Web-Seiten automatisch erkennen

Die Qualität der Web-Suche hat sich in meinen Augen in den vergangenen Jahren weiter verbessert. Trotzdem sind Suchmaschinen bei weitem noch nicht perfekt. Bei manchen Suchabfragen erhalte ich viele irrelevante Ergebnisse, und muss eine Weile in den Ergebnissen blättern und recherchieren, bevor ich vielleicht fündig werde.

Die Web Crawler der Suchmaschinenbetreiber, die automatisiert Web-Seiten absuchen und daraus versuchen, relevante Informationen aus der Mixtur aus Texten und Auszeichnungs-Anweisungen herauszufiltern, tun sich weiterhin schwer.

Optimierungsbestrebungen

Es ist eben im allgemeinen nicht einfach, aus Freitext die relevanten Informationen herauszufiltern. Sicherlich dürfte sich die Aufgabenstellung vereinfacht haben, seit in HTML-Seiten Inhalt und Struktur besser getrennt werden.

Dennoch sind große Suchmaschinenbetreiber offensichtlich mit der Situation nicht zufrieden. Mit der restriktiveren Auszeichnungssprache AMP erlaubt der Anbieter Google Web-Seiten-Erstellern weniger Freiheitsgrade. Der gegenseitige Nutzen: Die Web-Seite wird schneller geladen, und der Suchmaschinen-Betreiber kann den Inhalt der Seite besser abgreifen.

Eine andere Option besteht in der zusätzlichen Angabe von Mikrodaten im Kopfbereich der HTML-Seite. Der Web Browser zeigt diese Mikrodaten nicht an, so dass der Betrachter nicht weiter gestört wird; die Suchmaschinenbetreiber dagegen profitieren von den einfach erhältlichen Zusatzinformationen. Der Web-Seiten-Betreiber wird durch treffendere Platzierungen in Suchergebnissen belohnt.

Ich sehe derartige Vorgehensweisen jedoch als Bastellösungen. Im Grunde ist es doch so, dass im Fall der Darstellung von Produktdaten auf Web-Seiten, erst strukturierte Produktinformationen mit der HTML Tag Soup vermischt werden, um sie später wieder mühsam zu rekonstruieren. Warum muss das Verfahren so umständlich vonstattengehen?

Verbraucher

Für Verbraucher kann die Suche nach bestimmten Produkten im Web relativ aufwendig sein.

Per allgemeiner Web-Suche einzelne Online Shops zu finden und durchzugehen, ist relativ mühsam. Ein Vergleich zwischen Produkten verschiedener Hersteller ist aufwendig. Dazu kommt ja noch, dass jeweils die Vertrauenswürdigkeit des Shops zu prüfen ist.

Einen schnelleren ersten Überblick bieten Vergleichs-Portale. Doch hier erhält der Verbraucher häufig keinen neutralen Überblick über die für ihn besten Angebote; die Vergleichs-Portale decken ihre Einnahmen oft über Provisionen, so dass dem Verbraucher im Zweifelsfall nur die für das Vergleichs-Portal besten Produkte oder Produktpreise angezeigt werden.

So geht ein großer Teil der Verbraucher den bequemsten Weg, verschließt die Augen und begibt sich auf den oben angesprochenen, dominanten Online-Marktplatz. Der Dominator gewinnt damit weiter an Macht, manche kleine gewerbliche Akteure geraten in wachsende Abhängigkeit zum Dominator und gehen gegebenenfalls sogar unter - scheinbar eine Art selbstverstärkender Prozess.

Bei manchen Produkten liegt es im Interesse des Kunden, dass er mehr über die Herkunft, die Herstellung, Echtheit, damit verbundene Gesundheitsgefahren oder die Haltbarkeit des erworbenen Artikels und dergleichen mehr erfährt. Doch hier kann sich ein Kunde häufig kaum sicher sein, ob die Behauptungen eines Verkäufers tatsächlich den Tatsachen entsprechen.

Neuere Entwicklungen

Die bislang beschriebenen Rahmenbedingungen zeigen, dass im eBusiness-Bereich nicht alles optimal läuft. Ansatzpunkte für Verbesserungen sind also vorhanden.

Daneben gab es im Verlauf der vergangenen Jahre eine Reihe von neuen technologischen Ideen und Lösungen, die Wege aufzeigen und eventuell mithelfen könnten, Verbesserungen der Ist-Situation zu erreichen; einige davon nenne ich hier:

  • Einfachere Datenformate wie JSON oder YAML haben eine größere Verbreitung gefunden. Selbst die etwas aufwändigeren Formate JSON-LD und YAML-LD sind immer noch prägnanter und leichter verständlich als die entsprechenden XML-basierenden Formate des Semantic Web.
  • Die großen Suchmaschinenbetreiber initiierten mit schema.org ein Vokabular, in dem auch wesentliche Entitäten zur Beschreibung der eBusiness-Domäne enthalten sind.
  • Der Container-Gedanke revolutionierte in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur die Transport-Logistik. Auch in der Informationstechnologie hielt die Idee in verschiedenen Formen und Weiterentwicklungen Einzug, und ist in manchen Bereichen kaum mehr wegzudenken. Als Beispiele konkreter Ausgestaltungen seien zip-Archive, LibreOffice, JavaBeans, virtuelle Container sowie virtuelle Maschinen genannt.
  • Microservices fungieren als flexible, entkoppelte und programmiersprachenunabhängig nutzbare, überschaubare Dienste.
  • Die Blockchain erlaubt es, ohne Einbeziehung eines neutralen Dritten, Eigentum zu schützen und zu übertragen. Daneben kann die bisherige Historie des Gegenstandes zweifelsfrei nachvollzogen werden.

Andere Neuerungen, die voraussichtlich in der Zukunft beträchtliche Auswirkungen zeigen werden, sollten von den Verbesserungen möglichst mitberücksichtigt werden, beziehungsweise sollten ohne größere Klimmzüge Erweiterungen in diese Richtungen hin erfolgen können. Zu nennen sind beispielsweise das Internet der Dinge, der 3D-Druck oder Augmented Reality.

Fazit und Ausblick

Im eBusiness-Sektor läuft nach meiner Meinung nicht alles rund. Andererseits wachsen die Datenmengen im Internet und in den Unternehmen (und sonstigen Organisationen) offenbar weiterhin stark an. Der Digitalisierungsdruck nimmt weiter zu.

Suboptimale Strukturen in den Datenströmen und Informationsflüssen innerhalb und zwischen den Unternehmen, aber auch hin zu den Verbrauchern, dürften bremsend wirken, und die Entfaltung der Geschäftsfelder mit unnötigem Ballast beschweren. Größere Marktakteure sind nach meiner These diesen steigenden Herausforderungen besser gewachsen; kleinere Marktakteure werden es zunehmend schwerer haben, sich in größeren Märkten zu behaupten.

Ein einfaches Patent-Rezept zur durchgreifenden Verbesserung der Lage wird es kaum geben. Allerdings könnte ich mir gut vorstellen, dass einzelne Maßnahmen an der richtigen Stelle zu weitreichenden Verbesserungen, und insbesondere für kleinere Unternehmen zu Erleichterungen im Wettbewerb führen könnten. In diese Richtung zielt mein Vorschlag, den ich in den Folgebeiträgen Schritt für Schritt entwickeln möchte.

Tags: eBusiness, Produkt, Marktplatz, Suchmaschine, Datenformat, Datenaustausch
Foto: MarryB / pixabay.com

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